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Michael H. Hart´s Argument: Aliens existieren nicht!

Hart-Argument
Bild (Remix): Pixabay | Bild-Info

Der US-amerikanische Astrophysiker Michael H. Hart gab im Jahre 1975 auf die berühmte "Fermi-Frage", warum wir noch keine Aliens entdeckt haben, eine eindeutige Antwort: "Sie existieren nicht!". Die Erklärungsversuche vieler Wissenschaftler, warum wir noch keine Aliens oder zumindest Hinweise darauf entdeckt haben, lehnte Hart allesamt als unbegründet und somit als unzulässig ab.


Wenn jedoch sämtliche Erklärungen unzulässig seien, dann ließe das nur den einen Schluss zu, dass die Menschheit die einzige technisch fortschrittliche Zivilisation im Weltall ist.

Hart veröffentlichte seine These erstmals 1975 in seinem Artikel "Explanation for the Absence of Extraterrestrials on Earth" ("Erklärung für die Abwesenheit Außerirdischer auf der Erde"), den er für das britische Wissenschaftsmagazin "Quarterly Journal of the Royal Astronomical Society" schrieb.

Um die Unzulässigkeit aller bisherigen Erklärungen zu begründen, unterteilte Hart diese in seinem Artikel in vier Hauptkategorien. Die erste Kategorie fasste er unter dem Begriff "Physikalische Erklärungen" zusammen.

1. Hauptkategorie: "Physikalische Erklärungen"

Hier untersuchte Hart die häufig genannte Behauptung, Aliens hätten die Erde niemals erreicht, da die physikalischen, astronomischen, biologischen oder technischen Hürden derart hoch seien, dass interstellare Reisen unmöglich sind.

Hart argumentierte, dass der hohe Energiebedarf für ein interstellares Raumschiff und somit die große Menge an Treibstoff, die es dafür benötigt, nur auf den ersten Blick eines der größten Hindernisse für die interstellare Raumfahrt darstellt. Würde statt des herkömmlichen chemischen Treibstoffs, der üblicherweise für Raketen verwendet wird, stattdessen Atomkraft, bzw. Kernenergie als Antrieb verwendet, oder würde in Zukunft vielleicht eine neue, noch völlig unbekannte Antriebsart erfunden, dann ließen sich solche Reisen durchaus realisieren. Vorstellbar wäre es auch, dass das Raumschiff während seiner Reise immer wieder neu betankt wird, indem es etwa freien Wasserstoff aufnimmt, der sich in großen Mengen im Weltall befindet und der dann als Treibstoff dient.

Ließt man Hart´s Artikel nicht aufmerksam von Anfang an, sondern beginnt stattdessen an irgendeiner Stelle inmitten des Textes zu lesen, dann könnte man meinen, dieser Artikel stamme von einem Autor, der die Auffassung vertritt, dass Aliens eines Tages auch die Erde erreichen könnten.

Nun will Hart mit seinem Artikel jedoch genau die gegenteilige Annahme begründen, nämlich dass Aliens niemals die Erde erreichen werden und wir sie niemals entdecken werden, ganz einfach weil es keine außerirdischen technisch fortgeschrittenen Zivilisationen gibt! Wie passt das zusammen?

Hierbei sollte man beachten, welche Strategie Hart in seinen Ausführungen verfolgt. Behauptet beispielsweise ein Wissenschaftler, die interstellare Raumfahrt sei sehr aufwendig und eine solche Reise würde sehr lange dauern, daher müssten wir nur lange genug warten, bis wir Außerirdische entdecken, dann entkräftet Hart diese Behauptung sofort, indem er entgegnet, die interstellare Raumfahrt sei gar nicht so aufwendig. Demzufolge hätten Aliens die Erde schon längst erreicht haben können. Da sie dies aber offensichtlich nicht haben, wäre das ein ernst zu nehmender Hinweis auf die Vermutung, dass sie gar nicht existieren.

Ein weiteres, jedoch auch nur scheinbares Problem, ergäbe sich aus der Tatsache, dass der menschliche Körper für einen sehr langen Aufenthalt im Weltall nicht geeignet ist. Hier wäre es denkbar, zukünftig eine Methode des Einfrierens und Wiederbelebens zu entwickeln, sodass sich der Körper während der Reise in einer Art "Winterschlaf" befindet, was zwar nach derzeitigem Stand der Medizin noch nicht möglich ist, jedoch von außerirdischen Zivilisationen, die schon technisch fortgeschrittener sind, bereits erfolgreich praktiziert werden könnte.

Vielleicht befänden sich an Bord eines Alien-Raumschiffes aber auch eingefrorene befruchtete Eizellen, die von Robotern bei der Ankunft am gewünschten Zielort wieder aufgetaut und zur Aufzucht einer neuen Alien-Generation verwendet werden.

Genauso könnte man aber auch gleich von Anfang an, ein sehr großes Generationen-Raumschiff planen, auf dem die Besatzung ihr gesamtes Leben verbringt, dort Kinder zeugt, diese heranzieht und ausbildet, damit die Kinder später die Aufgaben an Bord des Raumschiffes übernehmen können, die dann später ihrerseits wieder Kinder zeugen, usw.

Ein weiterer Aspekt, der bei dem Gedanken an ein Generationen-Raumschiff oft außer Betracht gelassen wird, ist die Möglichkeit, dass Aliens ja durchaus ein wesentlich höheres Lebensalter als Menschen erreichen könnten. Würde für eine interstellare Reise etwa eine Dauer von 200 Jahren eingeplant, dann müssten in Anbetracht der Tatsache, dass die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen ca. 70 - 80 Jahre beträgt, in der Tat mehrere Generationen ihr Leben auf dem Raumschiff verbringen.

Dies würde dann aus menschlicher Sicht jedoch viele ethische Fragen aufwerfen, etwa ob es überhaupt ethisch vertretbar wäre, den an Bord des Generationen-Raumschiffes geborenen Kindern ein solches Leben zuzumuten. Auch würden sich vielleicht bereits für die erste Generation der Raumschiff-Besatzung gar nicht genug Besatzungsmitglieder finden lassen, die bereit wären, dort ihr ganzes Leben zu verbringen.

Wenn uns jedoch eine intelligente Alien-Zivilisation in ihrer Entwicklung vielleicht schon Jahrhunderte voraus ist und bereits beträchtliche Fortschritte auch im medizinischen Bereich gemacht hat, dann könnten diese Wesen vielleicht auch eine Lebensspanne von mehreren Jahrtausenden oder sogar noch länger erreichen. Für sie gäbe es dann keine Notwendigkeit, ein Generationen-Raumschiff zu bauen. Selbst wenn die Reise 200 Jahre dauert, müssten sie nicht ihr ganzes Leben dafür aufwenden, sondern nur einen überschaubaren Lebensabschnitt.

Zusammenfassend stellt Hart somit fest, dass alle Erklärungen, warum wir bisher noch keine Aliens entdeckt haben und die damit begründet werden, Aliens hätten die Erde niemals erreicht, da interstellare Reisen unmöglich seien, als unzulässig zu bewerten sind, da es aus den von ihm geschilderten Gründen eben doch möglich wäre, solche Reisen zu unternehmen. Wir hätten sie also bereits entdeckt haben müssen, was ja aber nicht der Fall ist und was nur bedeuten kann, dass sie nicht existieren!

In dieser Form argumentiert Hart auch gegen die weiteren Erklärungsversuche vieler Wissenschaftler, warum wir noch keine Aliens entdeckt haben und die mit einer möglichen besonderen Verhaltensweise fremder Zivilisationen zusammenhängen. Diese Erklärungsversuche fasst Hart in einer zweiten Kategorie unter dem Begriff "Soziologische Erklärungen" zusammen.

2. Hauptkategorie: "Soziologische Erklärungen"

Lautet die Erklärung beispielsweise, Aliens wären eher an spirituellen oder auch an künstlerischen Themen interessiert und hätten daher gar kein Interesse an der Erforschung des Weltraums, dann entkräftet Hart diese Behauptung auch wieder sofort, indem er entgegnet, eine technisch fortschrittliche Alien-Zivilisation könnte ja durchaus schon hunderttausende Jahre existieren und würde dann vermutlich im Laufe ihres langen Bestehens ganz unterschiedliche Phasen ihrer Kultur oder politischen Gesellschaftsform durchlebt haben.

Angenommen, eine solche Alien-Zivilisation würde sich im Jahre 600.000 v.Chr. dazu entschlossen haben, keine interstellare Raumfahrt zu betreiben, dann könnte sie vielleicht tausend Jahre später, also im Jahre 599.000 v.Chr. ihre Ansichten geändert haben und doch wieder durchs Weltall reisen. Wieder tausend Jahre später, also im Jahre 598.000 v.Chr. könnten dann kulturelle oder politische Umbrüche in ihrer Gesellschaft dazu geführt haben, erneut andere Interessen zu verfolgen, usw. Doch selbst unter der eher unwahrscheinlichen Annahme, dass in dieser einen Alien-Zivilisation über hunderttausende Jahre hinweg keine solchen kulturellen oder politischen Veränderungen stattgefunden haben, müsste das nicht zwangsläufig auch für alle anderen Alien-Zivilisationen in der Galaxie zutreffen.

Weitere Erklärungsversuche, warum wir noch keine Aliens entdeckt haben, etwa Alien-Zivilisationen würden sich selbst zerstören, sobald sie die Fähigkeit hätten, Atomwaffen zu entwickeln (die "Selbstzerstörungs-Hypothese") oder auch die so genannte "Zoo-Hypothese", die besagt, Aliens würden die Erde als ein riesiges Naturschutzgebiet betrachten und ihre Bewohner allenfalls im Rahmen einer Verhaltensforschung beobachten, eben wie exotische Tiere in einem Zoo, jedoch von den Menschen unerkannt, um ihre natürliche Entwicklung nicht zu stören, lehnt Hart ebenfalls als unwissenschaftlich und daher unzulässig ab.

Hier argumentiert Hart mit dem Einwand, dass es keine wissenschaftlichen Beweise für die "Selbstzerstörungs-Hypothese" oder die "Zoo-Hypothese" gibt und es hierzu auch keine von Soziologen oder Psychologen anerkannte soziologische Theorie geben kann, da der einzige "Beweis", wie sich Zivilisationen verhalten, von uns Menschen selbst stammt, eine Spezies, die sich bekanntlich nicht selbst zerstört hat, obwohl sie im Besitz von Atomwaffen ist und die bei der Kolonialisierung ihres eigenen Planeten zu keiner Zeit so rücksichtsvoll war, neu entdeckte Kulturen einfach nur zu beobachten ohne sich in deren Entwicklung einzumischen.

Auch hier wird wieder deutlich, dass Hart versucht, alle Erklärungsversuche der anderen Wissenschaftler, warum wir noch keine Aliens entdeckt haben, als unzulässig zurückzuweisen und dabei immer das gleiche Schema verwendet: Irgendein Wissenschaftler errechnet aufgrund der hohen Anzahl von Milliarden Sternen allein in unserer Galaxie, dass durchaus eine Wahrscheinlichkeit besteht, dass es außer uns Menschen auch noch andere Zivilisationen geben könnte, vielleicht sogar solche, die uns bereits technisch überlegen sind.

Dann stellt sich dieser Wissenschaftler die Frage, warum wir noch keine Aliens entdeckt haben und überlegt sich eine mögliche Antwort auf diese Frage, z.B. dass die technischen Hürden zu hoch seien oder dass Aliens sich einfach ganz anders verhalten als wir Menschen. Daher müssten wir mit unseren Radioteleskopen das Weltall nur lange genug nach außerirdischen Funksignalen absuchen, bis wir sie entdecken.

Sofort entgegnet Hart, die technischen Hürden seien gar nicht so hoch und die Abwesenheit von Aliens einfach aufgrund ihres Verhaltens zu erklären wäre unwissenschaftlich, da hierfür keine Beweise existieren.

Hart nahm an, dass technisch fortschrittliche Zivilisationen, wenn es sie denn überhaupt gäbe und wenn sie in der Lage wären, interstellare Raumfahrt zu betreiben, damit beginnen würden, nach anderen bewohnbaren Planeten zu suchen und diese zu besiedeln. Sie würden Kolonien gründen, dort auch wieder Raumschiffe bauen, von dort aus weitere bewohnbare Planeten kolonisieren und somit eine Welle der Besiedlung auslösen.

Daher müssten wir eigentlich schon längst Hinweise auf Aliens entdeckt haben. Da dies jedoch nicht der Fall ist, sollten wir diese Tatsache auch als einzigen, uns zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Beweis anerkennen, dass es außer der Menschheit keine andere technisch fortgeschrittene Zivilisation im Weltall gibt.

Auch dem häufig genannten Argument, die Entfernungen zwischen den Sternen seien so groß, dass Aliens, selbst wenn sie mit ihren Raumschiffen nahe der Lichtgeschwindigkeit durchs All fliegen würden, sehr lange bräuchten, um die Erde zu erreichen, entgegnet Hart nach dem gleichen Schema, wie schon zuvor und fasst seine Argumente in einer dritten Hauptkategorie seines Artikels unter dem Begriff "Temporäre (zeitbezogene) Erklärungen" zusammen.

3. Hauptkategorie: "Temporäre (zeitbezogene) Erklärungen"

Selbst wenn sich außerirdische Raumschiffe nur mit einem Zehntel der Lichtgeschwindigkeit fortbewegen würden, so argumentierte Hart, dann könnte die vollständige Besiedelung der Galaxie bereits in wenigen Millionen Jahren erreicht werden. Im Vergleich mit dem hohen Alter einer Galaxie von mehreren Milliarden Jahren, wäre das immer noch eine relativ kurze Zeitspanne.

Hart schlussfolgerte daraus, dass seit langer Zeit und überall in unserer Galaxie, insbesondere angesichts ihres hohen Alters und einer vergleichsweise kurzen Zeit, die Außerirdische für ihre vollständige Besiedlung benötigen würden, deutliche Hinweise für die Existenz Außerirdischer erkennbar sein müssten, etwa durch einen direkten Kontakt oder zumindest den Empfang außerirdischer Radiosignale. Die Tatsache, dass diese Hinweise nicht zu finden sind, spräche ein weiteres Mal dafür, dass sie gar nicht existieren!

In der vierten Kategorie seines Artikels, unter der Bezeichnung "Vielleicht sind sie gekommen", befasst sich Hart mit all jenen Wissenschaftlern aber auch Sachbuch- oder Science-Fiction Autoren, die die Möglichkeit in Betracht ziehen, Aliens könnten vielleicht in der Vergangenheit bereits die Erde besucht haben und wären dann wieder abgereist.

4. Hauptkategorie: "Vielleicht sind sie gekommen"

Den Befürwortern dieser Hypothese entgegnet Hart, dass es aus den gleichen Gründen, die er bereits in der zweiten Kategorie unter dem Begriff "Soziologische Erklärungen" genannt hat, auch hierfür keine anerkannte soziologische Theorie geben kann, die das Verhalten außerirdischer Besucher erklären könnte, ständig den Entschluss zu fassen, die Erde nicht zu besiedeln.

Selbst wenn Aliens die Erde innerhalb der letzten 5000 Jahre besucht hätten und dann wieder abgereist wären, würde das nicht erklären, warum die Erde nicht beispielsweise schon vor 50 Millionen Jahren von anderen außerirdischen Besuchern besiedelt wurde.

Als logische Konsequenz aus seinen Überlegungen, betrachtete Hart die Suche nach Radiosignalen von anderen Zivilisationen als eine Verschwendung von Zeit und Geld, was wiederum einen großen Einfluss auf die Entscheidung des Bewilligungsausschusses des Senats der US-Regierung hatte, die staatliche Förderung der SETI-Forschung mit Hilfe von Radioteleskopen, zu beenden (SETISearch for Extraterrestrial Intelligence, Suche nach extraterrestrischer Intelligenz), insbesondere auch, weil Hart´s Argumente später fälschlicherweise mit dem berühmten Kernphysiker und Nobelpreisträger Enrico Fermi in Zusammenhang gebracht und unter dem Begriff "Fermi-Paradoxon" diskutiert wurden.

Kritik am Hart-Tipler-Argument

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Die Antwort auf Fermi´s Frage, warum wir noch keine Aliens entdeckt haben, lautete 1975 für Michael H. Hart - Sie existieren nicht! - was auch auf heftige Kritik stoß. Hart´s These wurde 1981 von Frank J. Tipler unterstützt und um die Idee der selbstreplizierenden Raumschiffe (Von-Neumann-Sonden) erweitert. ...mehr »


Fermi-Paradoxon

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Das so genannte Fermi-Paradoxon wurde nach dem Physiker Enrico Fermi benannt, der 1950 angeblich einen Widerspruch aufzeigte, demzufolge es keine Aliens geben könne, obwohl es keine Belege dafür gibt, dass Fermi jemals diese Behauptung aufgestellt hatte... ...mehr »



 
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